Hirn anschalten – Helm aufsetzen!

Eigentlich wollte uns Holger an dieser Stelle ein paar Worte zum Thema Sicherheit aufschreiben, doch scheint der Gute mit seinem Text nicht so recht voran zu kommen. Er wird doch nicht etwa eine Radltour dem Werkeln am Schreibtisch vorgezogen haben? Nun ja, zum Glück gibt es ja die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie. Die hat nämlich eine Pressemitteilung mit dem Titel “Helm auf!” heraus gegeben, die irgendwie ja schon auch auf unsere Webseite passt:

Nahezu 90 Prozent aller Schädelhirnverletzungen bei Radfahrern können durch das Tragen eines Helmes vermieden werden – daher fordert die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie eine Helmpflicht”, schreiben die Experten. Und weiter:

“Die Fakten sprechen für sich” sagt Professor Dr. Norbert Südkamp, Ärztlicher Direktor der Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie. Denn das Tragen eines Fahrradhelmes ist eine wissenschaftlich erwiesene Schutzmaßnahme: bis zu 88 Prozent aller Schädelhirnverletzungen und bis zu 65 Prozent bestimmter Gesichtsverletzungen könnten durch das Tragen von Fahrradhelmen vermieden werden.

Nach einer Analyse von 2008 trugen nur acht Prozent der verunfallten Fahrradfahrer einen Helm. Besonders die mangelnde Umsetzung bei Frauen und vor allem Jugendlichen ist für Südkamp unzufriedenstellend. Die Zahl der verletzten Fahrradfahrer hat sich von 1970 mit 40531 auf 78579 im Jahr 2007 fast verdoppelt; während die Zahl der Schwerverletzten im PKW und LKW -Bereich in diesem Zeitraum auf Grund von Gurtpflicht, Airbags und anderen Schutzmaßnahmen, deutlich abgenommen hat.

Leichtverletzte Radfahrer verletzten sich am häufigsten an Armen und Beinen. Bei schwerstverletzten Unfallopfern ist aber meist die Kopfverletzung entscheidend für das Überleben. So sind Kopfverletzungen beispielsweise für die Hälfte aller Todesfälle bei Radfahrern, die ohne Helm unterwegs sind, verantwortlich. „Unter Berücksichtigung dieser Verletzungssituation ist eine konsequente öffentliche Diskussion und das Vorantreiben einer gesetzlichen Helmpflicht nach wie vor zwingend erforderlich. Aus Sicht der Unfallchirurgen ist und muss die Helmpflicht die logische Konsequenz sein“, so Südkamp.

Design und Alter eines Helmes sind für seine Schutzfunktion von großer Bedeutung. Der Helm sollte gut passen, TÜV zertifiziert und im Idealfall verstellbar sein, um mitwachsen zu können. Es ist wichtig zu wissen, dass Fahrradhelme nach etwa fünf Jahren ihre Schutzfunktion aufgrund des Ausdampfens des Kunststoffmaterials verlieren – ähnlich wie auch Ski- und Motorradhelme.

Glück gehabt: Der Michel mit dicker Fresse, aber heilem Hirn

Soweit also die Unfallchirurgen. Das Ganze ließe sich sicherlich ergänzen durch die Erfahrungen, die manch ein Bruchpilot in unserem Team gemacht hat. Der Michel etwa, der sich mittlerweile bestens erholt hat von seinem “Voll auf die Fresse-Sturz” am 17. April dachte zunächst auch: “Na toll, so´n Helm”, weil er ja trotzdem die Nase, das Gaumendach und den Oberkiefer sogar gleich zwei mal gebrochen hatte. Gestern aber war nicht nur der Tag, wo der Michel zum ersten Mal wieder ein Brötchen essen konnte (und mit dem Zweithelm in den Wald gefahren ist). Gestern hat auch Gerardo dem Michel seinen Sturzhelm zurück gebracht. Und siehe da: Am vordersten Teil – also da, wo sonst Michels ungeschütztes Stirnhirn mit all seiner sozialen Intelligenz gewesen wäre – ist ein ganz ordentlicher Schrammen zu sehen. Dann – pfui-bäh – noch Spuren von Blut. Und außerdem eine fette Kerbe genau dort, wo sonst die ungeschützte Schläfe auf den Boden geknallt wäre. Hinter der Schläfe liegt der Schläfenlappen – und wenn der kaputt geht ist das gar nicht lustig. Zu den Jobs des Schläfenlappens zählen nicht nur das Hören und das Verarbeiten gesprochener Sprache (im Wernicke-Zentrum), sondern dort sind auch ein Großteil der gelernten Fakten und des Detailwissens gespeichert. Dass der Michel das noch weiß und dass er gestern seinen Weg entlang der 32er-Strecke ohne fremde Hilfe gefunden hat, sollte Euch beweisen: So ein Helm ist eine feine Sache.

Am Besten, ihr erzählt dies auch all den leichtsinnigen Radlern, die immer noch glauben, es sei cool, “oben ohne” zu fahren.

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  1. Gerti/Tantchen sagt:

    Hi, lieber Michi,
    Gott sei Dank habe ich Dich nicht gesehen. Ich glaube, ich wäre in
    “Ohnmacht” gefallen!! (kann doch kein Blut sehen!)
    Vielleicht kommst Du bei Deiner nächsten Radtour an einer Kapelle/Kirche vorbei da solltest Du anhalten und eine Kerze anzünden, da Du -trotz allem- viel Glück hattest! (Schläfenlappen etc.)
    Ich werde beim nächsten Besuch meiner Lieblingskapelle in
    Ersheim (13. Jhdt.Hirschhorn) das nachholen!!
    Mach’s gut und danke an Ingrid, daß sie Dich so gut pflegt.
    Herzlichst Gerti

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